Der Engelmacher
Es regnet nicht, es schüttet. Die Haare von Schauspielerin Luisa Katharina Davids werden nass. Die von Regisseurin Christine Hartmann nicht. Sie stecken unter einer Haube. Und einem Baldachin aus Plastik. „Einmal noch“, ruft die Regisseurin und Davids läuft. Weg vom „Klinikum Waldviertel“, das in Wirklichkeit ein Pavillon der Wiener Semmelweisklinik ist. Die Mona Film dreht „Der Engelmacher“.
Im Mystery-Genre sei der Film angesiedelt, sagt Hartmann und meint, dass das deutschsprachige Fernsehen – in diesem Fall die Sender ORF und Pro Sieben – diese US-Domäne nun auch für sich entdeckt. Die Regisseurin gilt als Thriller-Expertin mit „Tatort“-Erfahrung. „Hier arbeiten wir aber mit vielen metaphysischen Elementen, mit Dingen der anderen Art, die sich erst am Schluss erklären“, erklärt sie. Die Drehorte Wien und vor allem das Waldviertel findet sie dafür gut
gewählt: „Die Düsternis, die Naturgewalten machen bei dieser Geschichte viel aus. Das Waldviertel bedient geradezu die Gesetzmäßigkeiten eines Mysteryfilms.“
Kindermörder Die Geschichte – das Drehbuch ist der Erstling des niederösterreichischen Autors Wolfgang Brandstetter – erzählt vom „Engelmacher“, einem schwarzen Mann, den nur Kinder sehen und der ihnen nach dem Leben trachtet. Er ist eine Sagengestalt, die aus der Vergangenheit zurückgekommen ist. Die junge Sophie (Davids) kehrt gerade mit ihrem Sohn von der Großstadt ins Dorf zurück, als der erste Mord passiert. Ein Bub im Alter ihres eigenen Kindes ist das Opfer – klar, dass die Mutter da zu recherchieren beginnt.
„Vor allem“, sagt Davids, „weil sie das Gefühl hat, dass bei den Ermittlungen nichts weitergeht. Der Dorfpolizist scheint sich für die Vorgänge gar nicht zu interessieren. Also untersucht sie die Vorfälle auf eigene Faust.“ Die Schauspielerin ist ganz bei der Sache, die Sophie ihre erste große Filmrolle. Bis dato war Davids am Volkstheater u.a. in „Clavigo“ und „Der Besuch der alten Dame“ zu sehen. Neben Davids spielen Jonas Laux, Miguel Herz-Kestranek, Fritz Hammel, Kabarettistentochter Nikola Rudle und Fritz Karls Sohn Aaron.
Feldlerche Den Dorfpolizisten Bucher, den der „nix weiterbringt“, gibt der deutsche TV-Star Heio von Stetten. Der freut sich nicht nur augenzwinkernd, dass er „so eine fesche österreichische Uniform“ anhaben darf, sondern auch, dass er im Waldviertel schon eine seltene Feldlerche gesehen hat. „Ich schätze die Gegend, seit ich den großartigen Film „Revanche“ gesehen habe. In Österreich ist die Film- und Fernsehindustrie echt spannend. Es macht Spaß, hier zu arbeiten,“ so Stetten.
Das er nun an einem Thriller „in der Tradition von „Freitag der 13.“ werkt ist ihm sehr recht. „Ich habe das Drehbuch gelesen und dachte, dieser Inspektor Bucher ist eigentlich höchst verdächtig. Das ist eine tolle Rolle. Er will der Sache nicht auf den Grund gehen und man erfährt spät, warum nicht. Das ist spannend.“
(Quelle: „Kurier“ 18.05.2009)
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19.05.2009
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